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Baugewerbe und demographische Entwicklung - Arbeitsbedingungen am Bau

Arbeitsbedingungen am Bau in Zeiten des demographischen Wandels

 

Auf veränderte Altersstruktur im Bau- und Baunebengewerbe reagieren

 

In Deutschland hat man es seit Jahren mit sinkenden Geburtenzahlen und wachsendem Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung zu tun. Bis zum Jahr 2040 könnten bei unveränderten Bedingungen die Arbeitnehmeranteile an der Bevölkerung um etwa 40% sinken. Eine Reaktion der Gesetzgeber auf die demographische Entwicklung war die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Allerdings ist in bestimmten Berufszweigen der Anteil vorzeitiger Renteneintritte hoch. Das trifft besonders auf Berufsgruppen mit hoher körperlicher Belastung zu, wie das Bau- und Baunebengewerbe. Viele Arbeiten sind hier mit hohen körperlichen Anforderungen verbunden. Das betrifft nicht nur den Einsatz von Körperkraft, sondern auch die Auswirkungen von Hitze, Kälte und Nässe bei Außenarbeiten.

Die Problematik

Die Problematik im Baugewerbe zeigt sich darin, dass einer ansteigenden Alterskurve sinkende Zahlen von Nachwuchskräften gegenüberstehen. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Betriebe kleinere und Mittelbetriebe mit schwankenden Beschäftigungszahlen sind, die aus eigener Kraft diese Entwicklung kaum umfassend auffangen können. Bei sinkender Auftragslage werden ältere Beschäftigte eher in die Rente entlassen, Beschäftigte mit kurzer Betriebszugehörigkeit in die Arbeitslosigkeit. Der vorzeitige Berufsausstieg von Arbeitnehmern aus gesundheitlichen Gründen bedeutet einen Verzicht auf das große Know-how, über das diese Beschäftigten verfügen.

Denkbare Lösungswege für ältere Arbeitnehmer

 

Lösungswege aus diesem Dilemma könnten somit nur durch übergreifende Programme gefunden werden, deren Last kleine Unternehmen nicht allein tragen müssen. Um der Frühverrentung vorzubeugen, wären früh einsetzende Rehabilitationsprogramme für ältere Arbeiter denkbar. Infolge der schwankenden Beschäftigungsspitzen könnten auch Programme für zeitweilige Teilzeitarbeit entworfen werden. Auf diese Weise wäre vorzeitigen Verrentungen durch Arbeitsplatzreduzierung vorzubeugen, während bei Auftragsspitzen die Arbeitnehmer eventuell für verlängerte Teilzeit verfügbar wären. Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme sollten ermöglichen, dass ältere Arbeitnehmer auf Tätigkeiten umgeschult werden, bei denen eher der technisch-maschinelle Einsatz gefordert ist (z.B. Baufahrzeuge, Steuerungstätigkeiten, Termin- und Organisationsbereich). Denkbar wären auch für ältere Arbeitnehmer längere Urlaubszeiten, längere Pausen und ähnliche Entlastungen. In Anbetracht der Unternehmensstruktur im Baugewerbe könnten solche Maßnahmen finanziell und organisatorisch durch ein Zusammenwirken von Arbeitgebern im Bau- und Baunebengewerbe getragen werden. Möglich wären beispielsweise entsprechende Fonds. Auf der anderen Seite sollten Betriebe des Bau- und Baunebengewerbes geeignete Maßnahmen entwickeln, um junge Menschen an der Ausbildung zu interessieren, aber auch auf Auszubildende und gelernte Facharbeitskräfte aus der EU zuzugreifen.

 

Maßnahmen in Gesamtprogramme einbetten

 

Die Problematik der demographischen Entwicklung trifft nicht nur das Baugewerbe, sondern alle Industrie- und Arbeitsbereiche. Daher können Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer im Baugewerbe nicht losgelöst von der Gesamtproblematik gesehen und behandelt werden. Die Probleme können insgesamt nur durch das systematische Zusammenwirken von Wirtschaft und Politik für langfristige Entwicklungen angegangen werden. Dennoch muss sich jede Branche ihren Besonderheiten widmen. Im Baugewerbe liegen die Besonderheiten großteils im vorzeitigen gesundheitlichen Verschleiß und zu spät greifenden Rehabilitations- und Umschulungsmaßnahmen. Soll die Branche nicht langfristig unter Mangel an qualifizierten Arbeitskräften leiden, darf auf Erfahrung und Einsatzbereitschaft der älteren Arbeitnehmer nicht verzichtet werden.

 

Bildquelle 'Mann verlegt Steinboden':© sever180 - Fotolia.com

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