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Aktuelle Beiträge aus dem Baugewerbe

Neues am Bau: Building Information Modeling


BIM Modell Felix Platter Spital Basel

Nicht erst seit der Weltleitmesse Bau in München Anfang dieses Jahres ist Building Information Modeling (BIM) in der Baubranche ein Dauerthema. Zu Deutsch heißt BIM übersetzt Bauwerksdatenmodellierung. Kern der neuen Arbeitsweise ist hierbei die Software. Sie hilft in weitaus größerem Umfange bei der Optimierung der Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden sowie Bauwerken als das den bisherigen CAD-Planungssoftwaren möglich war. Mit BIM können alle Daten eines Bauwerks von der Planung bis hin zum Facilitymanagement auf einer Plattform erfasst werden.

 

Klassische CAD-Planung wird abgelöst

 

Bei der klassischen Planung mit CAD-Programmen wurde ein Entwurf von einem Architekten gezeichnet und vorgelegt. Zur Kalkulation der Kosten wurde dann eine Mengenermittlung auf Basis des Architekten-Entwurfs erstellt.

Wurde danach eine Änderung an den Plänen vorgenommen, so mussten nicht nur die Zeichnungen des Architekten geändert werden, sondern auch die Mengenermittlung. Im Anschluss daran mussten alle Beteiligten die aktuelle Zeichnung erhalten und änderten dann die jeweilige Fachplanung entsprechend ab. Dieser Koordinierungs- und Arbeitsaufwand kann durch die Nutzung der BIM-Methode erheblich reduziert werden.

Das geplante Bauwerk wird mit BIM nicht mehr über eine unüberschaubare Menge von Plänen der unterschiedlichen Disziplinen erfasst (Architektur, Tragwerksplanung, TGA), sondern über ein mehrdimensionales, datenbasiertes Modell abgebildet. Investoren, Ingenieure, Architekten sowie Projektsteuerer und die späteren Betreiber arbeiten über diese zentrale Plattform von Anfang an zusammen und sind

frühzeitig über den jeweils aktuellen Planungsstand informiert.

 

Alle projektbezogenen Informationen (Flächen, Kosten, Zeitplanung usw.) stehen den Beteiligten als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung. Wird also bei der Nutzung von BIM eine Änderung im Modell vorgenommen ist diese direkt für alle Beteiligten verfügbar. Stückzahlen und Massen werden automatisch angeglichen. So sparen sich alle Beteiligten nicht nur Zeit, sondern die Projektgesamtkosten werden gesenkt und die Bauqualität steigt.

 

Vernetztes Arbeiten

 

Um von den Vorteilen der BIM-Methode zur profitieren, bedarf es eines Kulturwandels. Die gewohnte Art der Zusammenarbeit verändert sich. Aus den bisher aneinandergereihten, isolierten Einzelprozessen oder „Tätigkeitsinseln“ der beteiligten Akteure wird eine vernetzte Arbeitsweise, gekennzeichnet durch eine neue Form des Teamworks und der Kommunikation. Um zu verhindern, dass in einem Projekt jeder der Beteiligten Zugriff auf alle Teilkomponenten hat, werden Zugriffsrechte vergeben. So kann jeder Projektbeteiligte nur seinem Aufgabenbereich oder Gewerk entsprechende Änderungen vornehmen.

 

Digitalisierung auch für KMUs

 

Auch die Politik hat das Thema Digitalisierung im Baugewerbe entdeckt. Besonders in den Fokus ihrer Ausrichtung wollen das zuständig Bundeswirtschaftsministerium sowie das Bundesumweltministerium kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen. Die Parlamentarische Staatssekretärin Gleicke hält die Digitalisierung der Wertschöpfungskette Bau für eine große Chance der deutschen Bauwirtschaft, Kosten zu senken und auf diese Weise Produktivitätsgewinne zu erzielen. Als Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung achte sie ganz besonders darauf, dass auch die kleinen und mittleren Unternehmen bei diesem Prozess mitgenommen werden. „Deshalb plant das Bundeswirtschaftsministerium aktuell mehrere große Projekte im Rahmen seiner Technologieförderprogramme, um die Digitalisierung in der Bau-Branche weiter voranzutreiben und gerade auch die kleinen und mittleren Unternehmen an das Thema heranzuführen."

 

Auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur soll die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben. Dazu hat das Ministerium den "Stufenplan Digitales Planen und Bauen" verabschiedet. Er sieht eine Einführung von modernen, IT-gestützten Prozessen sowie Technologien zur Planung, für den Bau und das Betreiben von Bauwerken vor. Es werden vertragliche Regelungen definiert, die enge Zusammenarbeit der Baubeteiligten erklärt und die teamorientierte Planung im technischen Sinne aufgezeigt. Ab 2020 gelten die Regelungen für alle neu zu planenden Projekte des infrastrukturbezogenen Hochbaus als verpflichtend.

 

Ausbaubedarf in Deutschland

 

In den skandinavischen Ländern, Großbritannien und den USA sind digitale Planungs- und Bauprozesse relativ weit verbreitet. Die deutsche Bauindustrie hat noch Aufholbedarf, um im internationalen Wettbewerb nicht zurückzufallen. Denn von einem gelungenen Übergang zur Digitalisierung und dem damit verbundenen Wandel hängt eine positive wirtschaftliche Entwicklung im Baugewerbe ab.

 

Anwendungsvorteile mit BIM

 

Aus dem aktuellen SmartMarket Report 2017, den Dodge Data & Analytics in Zusammenarbeit mit Autodesk und Deloitte erstellt hat, geht hervor, dass der Implementierungsgrad von Building Information Modeling (BIM) im Verkehrsinfrastruktursektor in den vergangenen zwei Jahren sprunghaft angestiegen ist. So stieg der Anteil der BIM-Anwender mit hohem Implementierungsgrad (Einsatz bei mindestens der Hälfte der Projekte) von 20 Prozent im Jahr 2015 auf 52 Prozent im Jahr 2017.

 

Innerhalb der Studie wurde untersucht, inwieweit Auftraggeber, Eigentümer, Ingenieure und Bauunternehmer in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA BIM im Verkehrsinfrastruktursektor einsetzten. Laut der Studie wird sich der positive Trend hin zu mehr BIM-Projekten in Zukunft fortsetzten. Die Teilnehmer gaben an, dass BIM ihre Verfahren und Projektergebnisse verbessere, besonders weil mit der Technologie die Zahl der Fehler im Projektverlauf deutlich abgenommen habe. Zudem sei weniger Nacharbeit notwendig und die Projektkosten zuverlässig prognostizierbar gewesen. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der attraktiveren Präsentation der Dienstleistungen Neukunden gegenüber. Bezüglich der Kosten des Einsatzes von BIM gaben 87 Prozent der befragten BIM-Anwender an, dass sich der Einsatz der Technologie für sie finanziell ausgezahlt habe.

 

BIM am Bau

 

Ein Projekt, das ausschließlich von der Planung bis zum Gebäudebetrieb auf Building Information Modeling setzt, ist der Neubau des Felix-Platter-Spitals im schweizerischen Basel. Mit Hilfe von Autodesk Software zeigt die BAM Swiss AG, dass sich die Zusammenarbeit in einem openBIM-Projekt ebenso effizient organisieren lässt wie der Datenabgleich zwischen der Baustelle, dem virtuellen Gebäude und die Vorbereitung der Daten für den späteren Gebäudebetrieb. „BIM ist zwar aufwändig“, erklärt Projektleiter Dietmeier, „schafft bei Bauprojekten jedoch schon in der Planungsphase eine erheblich höhere Termin- und Kostensicherheit.“ Die Methode erfordere, dass die Modelldaten diszipliniert gepflegt werden. Für alle am Projekt Beteiligten war es selbstverständlich, dass jeder Fachplaner vor den 14-tägigen Jour fixes der Projektgruppe sein Modell mit den Modellen der anderen Planer abgleicht, um Fehler und Kollisionen vor den Sitzungen zu beseitigen. Somit entsteht erstklassige Datenqualität.

 

Mit Hilfe der BIM-Software lässt sich auch der Qualitätsanspruch besser erfüllen. Das Gebäude wird genauso gebaut, wie es geplant wurde. Änderungen werden direkt eingepflegt. So wird während der Bauphase auch der Grundstein für den Betrieb des Gebäudes gelegt. Damit der Facility Manager über sein BIM-Modell auf die benötigten Daten zugreifen kann, wurden alle Revisions- und Produktunterlagen in einer Onlinedatenbank organsiert. In der Datenbank könnten die Dokumente während der gesamten Betriebsphase jederzeit aktualisiert und um weitere Unterlagen ergänzt werden.

 

In Zukunft werden immer mehr Projekte im Verkehrsinfrastruktursektor und Baugewerbe mit Building Information Modeling realisiert werden. Der Wandel in der Arbeitswelt, den die Digitalisierung mit sich bringt, muss dabei von den Firmen genauso gelebt werden, wie von ihren Mitarbeitern. Dazu können neben der ständigen Weiterbildung der Mitarbeiter die Einführung von neuen Softwares und Methoden gehören. Wichtig ist es für große wie für kleine Unternehmen den Anschluss an die digitale Welt nicht zu verpassen…..

 

Bild: BIM-Modell des Felix Platter Spital Basel, Schweiz © BAM Swiss AG



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