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Auslandsbau - Chance und Risiko zugleich

Nicht nur die ganz Großen der deutschen Bauindustrie profitieren von Aufträgen aus dem Ausland

 

Während die deutsche Bauindustrie über die Auftragslage hierzulande eher unzufrieden ist, macht sie im Ausland ein weitgehend gutes Geschäft. Über 30 Milliarden Euro setzten Baudienstleister im letzten Jahr im Ausland um und dem Auslandsgeschäft wird auch für die nahe Zukunft eine gute Prognose ausgestellt. Deutsche Bauunternehmen gelten zusammen mit den französischen als die Besten der Welt. Das hat vor allem mit der guten Ingenieurs-Ausbildung zu tun, aber auch mit den geschätzten, oft als „typisch deutsch“ bezeichneten Eigenschaften wie Gründlichkeit, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. Hinzu kommt, dass viele im Ausland tätigen Baudienstleister sich im Laufe der Jahre sehr gut auf die Bedingungen im internationalen Umfeld eingestellt haben. Sie wissen, dass man die ganze Palette von der Finanzierung der Projekte über die Produktbeschaffung bis hin zur Abwicklung und anschließenden Bewirtschaftung des Projekts anbieten können muss, um attraktiv zu sein.

Dabei ist das Auslandsgeschäft wirklich kein einfaches. Wirtschaftskrisen, politische Umbrüche, hohe administrative Hürden, Wechselkursschwankungen gehören zu den manchmal unwägbaren Risiken der internationalen Bautätigkeit. Hinzu kommen Mentalitätsunterschiede, die ein Projekt auf ausländischem Boden einen völlig anderen Charakter geben können als einem ähnlichen in Deutschland. Dabei agieren deutsche Bauunternehmen im Ausland heute meist mit Tochterfirmen, die direkt im Ausland angesiedelt sind bzw. gibt es eine große Anzahl an Beteiligungen an und Übernahmen von Baufirmen im Ausland. Die Zeiten, da man seine deutschen Mitarbeiter, vom Planer bis hin zum Bauhandwerker, für die Dauer eines Projektes ins Ausland schickte, sind - zumindest bei den Großunternehmen - weitgehend vorbei.

 

 

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Landkarte für gute Auslandsgeschäfte immer wieder radikal verändert. In den späten Siebzigern und frühen Achtzigern boomte das deutsche Engagement im Ausland, weil vor allem die erdölreichen Staaten auf deutsches Ingenieurskönnen setzten. In den Neunzigern und frühen Nuller Jahren brachten die Umstürze in Osteuropa neue 'Baustellen' hervor. Heute ist die deutsche Bauindustrie vor allem in Nordamerika und Australien erfolgreich, der asiatische Raum bleibt aufgrund von Zugangserschwernissen schwierig, aber ebenso wichtig. Aktuelle Themen sind große Infrastruktur-Projekte sowie der städtische Wohnungsbau, da weltweit die Verdichtung der Städte voranschreitet. Auch im Umweltsektor und der Energiegewinnung sind deutsche Bauunternehmen gefragt, sei es beim Bau von Trinkwasseraufbereitungsanlagen oder von Off-Shore-Windkraftanlagen. Aber auch sportliche Großveranstaltungen wie die zurückliegende Fussball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine oder die kommende Weltmeisterschaft in Brasilien sind dankbare Beschäftigungsfelder.

 

Der Auslandsbau ist im Großen und Ganzen eine Angelegenheit der Branchenriesen, die seit Jahrzehnten durch ihre globale Vernetzung Entwicklungen weltweit aufgreifen konnten und gescheiterte Projekte an einem Ende der Welt durch erfolgreiche an einem anderen kompensieren konnten. Zudem gibt es eine Reihe mittelständischer Unternehmen, die aufgrund hoher Spezialisierung auch oder gerade im Ausland bestehen können. Doch es gibt auch das 'kleine' Auslandsgeschäft, das auch für kleinere und mittlere Baubetriebe durchaus von Interesse ist. Dabei handelt es sich meist um Projekte, die in Grenznähe vergeben werden. Dabei muss es nicht immer gleich um einen großen Auftrag gehen. Die Dienstleistungs- und Warenverkehrsfreiheit innerhalb der EU erlaubt jedem Dienstleister, Aufträge innerhalb der Union auszuführen. Das setzt trotz allem die Kenntnis von Sprache, Recht und Gepflogenheiten des Landes, in dem man tätig sein möchte, voraus. Wer den Sprung ins Ausland wagen möchte, sollte sich vorab gut informieren. Anlaufstellen können dabei die regionalen Kammern der Bauindustrie, der Deutsche Auslandsbau-Verband e.V. oder auch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sein.

 

Bildquelle '3 Männer mit Bauplan':© DragonImages - Fotolia.com

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