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Aktuelle Beiträge aus dem Baugewerbe

Digitalisierung von Baudienstleistungen wichtiger denn je


Symbolbild digitaler Bau

Dabei lief es Anfang des Jahres doch so gut...

 

Die Baubranche war ausgelastet und trieb damit auch die Baupreise in die Höhe. Vor März dieses Jahres lagen sie bereits 3,4% höher als 2019. Es war ein Fest für Bauzulieferer. Dann kam die Corona-Krise und die mit ihr verbundenen Auswirkungen. Dabei ist die Baubranche mit einem Personalabbau von ca. 2 % noch nicht einmal allzu stark betroffen, verglichen mit Krisenbranchen wie dem Handel (15% Stellenkürzungen). Der Grund dafür könnte der Mangel an ausgebildeten Mitarbeitern sein, unter dem der Bau schon seit einigen Jahren leidet.

Der Wandel ist digital

Dennoch, oder gerade deshalb: Die Baubranche braucht einen Wandel, der nun in Form von digitalen Dienstleistungen durch Bauzulieferer Einzug hält. Dieser Wandel kommt spät, denn die Bauwirtschaft ist traditionell nicht sonderlich offen für diese Art von Veränderung.

Die Chefin des Risikokapitalgebers Vito One Daria Saharova lässt daher auch kaum ein gutes Haar an der Bauwirtschaft: „„Das ist eine der letzten Branchen, die sich der Digitalisierung öffnen.“ Sie investiert seit Jahren in Start-Ups, die genau diese Marktlücke schließen wollen.

Ganz so skeptisch wiederum sind Insider der Branche nicht. Der Manager des Fenster- und Fassadenexperten Schüco Schlenker meint: „Plug and Play am Bau wird immer wichtiger.

Ein Arbeiter muss heute nach zwei, drei Monaten angelernt sein.“

 

Vorreiter der digitalen Dienstleistungen im Bau

 

Das ostwestfälische Unternehmen geht mit gutem Beispiel voran. In den letzten Jahren hat es sich vom Bauzulieferer zum Berater und Unterstützer für Architekten, Planer und Handwerker entwickelt. Dafür ging im Juli 2018 das Vergleichsportal für Bauprodukte Plan One an den Start, das zwar von Schüco entwickelt wurde, aber nicht an die eigene Produktpalette gebunden ist. Ein preisgekrönte Suchplattform für Baustoffe inklusive üblicher Marketinginstrumente wie Newsletter und einem kostenfreien E-Book mit einer Übersicht über die relevanten Systeme, Siegel und Gütezeichen im Bau. Das klingt nicht revolutionär, ist aber für die Baubranche innovativ, wo Webseiten teilweise noch genutzt werden, um dienstältesten Mitarbeitern zum Geburtstag zu gratulieren.

 

Auch andere Zulieferer wollen sich nicht von neu in den Markt stoßenden Start-Ups verdrängen lassen. Die Bauchemiefirma PCI Augsburg möchte die Chance nutzen, die auch einem problematischen Mitarbeitermangel liegt. „Alles, was hilft, um effizienter zu werden, hat entsprechend ein Vermarktungspotenzial.“ so Marc Köppe, Chef von PCI. Neben einer Hotline für Fachkräfte wurde ein Farbton-Messgerät vorgestellt, mit dem online den Wunschton des Kunden für Fugenmörtel in Abhängigkeit der vorhandenen Fließen genau ermittelt werden kann.

 

Das fehlende Verständnis für Monetarisierung

 

Ein Problem im Bereich digitaler Dienstleistungen am Bau ist die teilweise vorhandene Selbstverständlichkeit, dass diese als eine Art Bonus-Service angeboten werden. Bisher ließen sich zum Beispiel Bemessungssoftwares für Schrauben, Betondübel und Wandbefestigungen von Anbietern wie Fischer oder Wuerth kostenfrei herunterladen und nutzen. Auch Fallanalysen und Beratungen wurden bisher als kostenlos vorausgesetzt.

 

„Wir müssen die Zahlungsbereitschaft für Dienstleistungen erst ausloten.“, so Wieland Frank, geschäftsführender Geslleschafter der Firma für Raumkomfort Siegenia-Aubi.

 

Die Monetarisierung der eigenen Leistungen fällt frisch gegründeten Start-Ups bedeutend leichter. Das Selbstverständnis und die Einordnung der eigenen Leistungen ist eine andere und vom allgemeinen Trend hin zu Beratungs- und Dienstleistungen in digitalen Branchen geprägt.

 

Ein weiterer Faktor jedoch unterstützt die Entwicklung zu monetarisierten Dienstleistungen auch bei klassischen Bauzulieferern: Die zunehmende Digitalisierung von Bauelementen bis hin zu intelligenten Häusern.

 

Der Prozess der Einführung digitaler Dienstleistungen lässt sich auch im Bauwesen nicht aufhalten. Die Frage ist allein, wie schnell und innovativ die etablierten Unternehmen in der Branche reagieren.

 



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