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Fachkräftemangel und fehlender Nachwuchs am Bau: Wer baut unsere Zukunft auf?

Alle Prognosen deuten darauf hin, dass sich der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel am Bau in den folgenden Jahren verschärfen wird. Schon heute kann fast ein Drittel aller offenen Fachkräfte-Stellen nicht adäquat besetzt werden.


Auf Seiten der derzeitigen Fachkräfte zeichnen dafür gleich mehrere Faktoren verantwortlich: Erstens wird der aktuell zu verzeichnende Aufschwung den Bedarf an Facharbeitern erhöhen; gegenüber dem Vorjahr werden jetzt schon mehr qualifizierte Kräfte gesucht und es steht zu erwarten, dass dieser Trend für die nächsten Jahre anhalten wird.

Zweitens sorgt das gestiegene Renteneintrittsalter dafür, dass das Nachrücken jüngeren Nachwuchses dauerhaft verzögert wird. Und drittens wird sich die generell hohe Altersstruktur unter vielen derzeitigen Fachkräften dahingehend auswirken, dass in den kommenden Jahren überdurchschnittlich viele erfahrene und gut qualifizierte Fachkräfte aus dem Berufsleben ausscheiden werden.


Auch auf Seiten des Nachwuchses sieht es schlecht aus: Einerseits bemängeln die einstellenden Betriebe das Bildungsniveau vieler Bewerber und Auszubildender.

Der Aufwand, geeignete Berufseinsteiger zu finden und schließlich die Azubis zu einem qualifizierten Beruf zu führen, scheint heutzutage höher denn je zu sein. Andererseits hat das Baugewerbe unter Schülern und Schülerinnen nicht gerade den besten Ruf. Die oftmals hohen körperlichen Anforderungen schrecken einige ab und zudem gilt die Branche als unbeständig, weshalb viele nicht an eine Übernahme nach der Lehre bzw. eine längerfristige Beschäftigung bei einem Arbeitgeber glauben.

 

Dabei gibt sich die Branche redlich Mühe, attraktiv für Auszubildende zu sein und bietet eine vielfältige Palette zur Aus- und Fortbildung an, die es vielen ermöglichen sollte, sich in ihrem Fach weiterzuentwickeln. Nicht nur, dass man sich in nicht weniger als 17 Handwerksberufen ausbilden lassen kann, das Baugewerbe lockt darüber hinaus mit der höchsten Ausbildungsvergütung aller Handwerksberufe. Und ein Blick auf die momentane Lage am Bau und die Aussicht, sich als gut qualifizierte Fachkraft dauerhaft und erfolgreich auf diesem Markt etablieren zu können, sollten eigentlich Anreiz genug sein, sich eine berufliche Zukunft am Bau zu suchen.

 

Die Folgen eines Fachkräftemangels sind bereits absehbar. Sinkende Qualität, Innovationsstau und geringere Bauleistungen als möglich stehen zu erwarten. Als Trost mag dabei dienen, dass das deutsche Baugewerbe mit dieser negativen Erwartung nicht allein dasteht und einige Länder sogar noch weit größere Probleme haben, gut ausgebildete Mitarbeiter für das Bauwesen zu finden. In Deutschland wirkt noch das bisher hohe Ausbildungsniveau sowie die über lange Jahre hinweg strenge Meisterordnung positiv nach. Doch die Angst vor Billigkonkurrenz, der Kostendruck an Deutschlands Baustellen sowie die hier erläuterten Nachwuchsprobleme bedrohen das traditionell hohe Niveau auf dem deutschen Baumarkt.

 

Um das Ruder rumzureißen, wären mehrere Maßnahmen notwendig. Zum einen muss die öffentliche Hand dafür sorgen, dass die Auftragslage für eine der wichtigsten Beschäftigungsbranchen Deutschlands zumindest stabil bleibt. Des Weiteren sind vor allem die Schulen dazu aufgerufen ihren Schülern berufstaugliche Kernkompetenzen zu vermitteln. Insbesondere das Nachlassen der Leistungen im mathematischen, technischen und naturwissenschaftlichen Bereich bereitet den Ausbildern große Probleme. Letztlich liegt es jedoch auch in der Verantwortung des Baugewerbes selbst, Auszubildende einzustellen, geeignetes Personal zu fördern und Maßnahmen zur innerbetrieblichen Fortbildung anzubieten. Auch der Kontakt zu Schulen sollte vom Baugewerbe proaktiv hergestellt werden. Betriebspraktika für Lehrer wie für Schüler, Beratung der Schulen bezüglich der Wissens-Anforderungen in den Bauberufen und innerschulische Maßnahmen zur Berufsorientierung der Schüler können die Motivation und Befähigung zu einer Ausbildung am Bau nachhaltig verbessern.

 

Und schließlich sollte das Baugewerbe in der öffentlichen Meinung wieder den Stellenrang einnehmen, den es verdient. Die Leistungen und die Qualität an Deutschlands Baustellen sind erstklassig. Was am deutschen Bau geleistet wird, kann sich im besten Sinne des Wortes sehen lassen. Man denke zum Beispiel nur daran, was im Rahmen des Aufbau Ost in den vergangenen Jahren geschaffen wurde, darauf kann insbesondere die Bauwirtschaft stolz sein. Es wäre schön, wenn man diesen Stolz vermitteln könnte, um mehr junge Menschen für einen Beruf am Bau gewinnen zu können!

 

Bildquelle 'Junger Bauarbeiter': © Gina Sanders - Fotolia.com
Bildquelle 'Bauarbeiter auf Baustelle': © Kadmy - Fotolia.com
 

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12.05.2011
Kommentare zum Bericht
Kommentiert von: e-mail: bornaer@gmx.de 03.08.2012
Der Hauptgrund des Arbeitskräftemangels ist meiner Meinung nach die schlechte Bezahlung. Ich selbst muss als ausgebildete Maurer-Fachkraft für 10 Euro die Stunde körperlich schwer in Leipzig arbeiten. Dieser so genannte Mindestlohn in Höhe von 10 Euro ist eigentlich für Handlanger und ungelernte Arbeitskräfte gedacht. Während die Kollegen in den alten Bundesländern einen Tariflohn von 15,64 Euro bzw. einen Mindestlohn für Facharbeiter in höhe von 13.40 Euro erhalten , müssen ausgebildete Maurer-Fachkräfte in den neuen Bundesländern sich mit 10 Euro abfinden. So Lange es keinen einheitlichen Tariflohn bzw. Mindestlohn in Deutschland gibt , werden Berufe im Bauhautgewerbe für junge Menschen unattraktiv bleiben
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Meinung zum Kommentar 20.10.2021
Vergessen wir mal nicht das im Bauhauptgewerke Montagetätigkeiten an der Tagesordnung stehen. Hier werden keine 8h sondern 10h und mehr geschruppt. Ist man dann auch noch als Akkordarbeiter eigestellt wird das ganze mehr als Ungesund. Die Mehrleistung welche dann in der Regel auf ein Überstundenkonto geschrieben wird darf man dann, sollte es zu einer Bauunterbrechung kommen, auf der Baustelle und bei Glück in der Unterkunft aussitzen. Wer bei Wind und Wetter irgendwann nach 44 Jahren Knochenarbeit sein 60stes Lebensjahr erreicht, ist in den meisten Fällen schon ein Wrack und sollte daher auch spätestens ab diesen Alter Rentenanspruch erhalten.
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Meinung zum Kommentar von: ich aus da 13.09.2014
genau so sehe ich das auch für 10 euro mindestlohn soll ich mich kaputt arbeiten und wenn mal mein körper abgenutzt ist muß ich zusehen wie es weider geht wenn man dann geld haben will muss man sich ewigkeiten rechtfertigen warum es nicht mehr geht am liebsten mit dem rollstuhl, oder gehilfe auf dem Bau weiterarbeiten.Und dann wollen die noch 20Jährige mit 40 Jahren Berufserfahrung ich kann nur lachen.Haubtsache wir haben hochbezahlte Beamte die keinen Plan haben was so da drausen ab geht lieber Schreibtische und Diätenerhöhung als Bauarbeiter.Fuck You Deutschland und Kinderfeindlich ist es auch.
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