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13 Jahre, doppelte Kosten – und ein Heizungsdebakel

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Es gibt Bauprojekte, die sind teuer. Es gibt Bauprojekte, die dauern lange. Und dann gibt es den Erweiterungsbau am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Der kann beides. Gleichzeitig.


Begonnen wurde das Projekt 2010. Fertig sein sollte es 2013. Ein überschaubarer Zeitraum, möchte man meinen – drei Jahre, ein bisschen Beton, ein paar Büros, 330 Abgeordnetenarbeitsplätze, fertig. Heute reden wir über eine geplante Übergabe im Jahr 2026. Das sind nicht drei Jahre Verzögerung. Das sind 13. Ein Teenager ist in dieser Zeit eingeschult worden, pubertiert und fast volljährig geworden. Der Anbau nicht.


Von 190 auf über 420 Millionen – läuft.


Die ursprünglich veranschlagten Baukosten lagen bei rund 190 Millionen Euro. Inzwischen bewegen wir uns bei über 420 Millionen. Verdoppelt. Mindestens. Man kann das „Kostenfortschreibung“ nennen. Oder ehrlich bleiben.
Und weil es sich nicht nur um ein hübsches Einzelproblem handelt, sondern um einen handfesten organisatorischen Knoten: Der unfertige Anbau blockiert andere Sanierungsprojekte im Bundestagskomplex. Büros können nicht wie geplant umziehen, Bauabschnitte nicht beginnen. Ein Gebäude wird zum Flaschenhals für ein ganzes Parlamentsviertel.


Und dann … die Heizung


Ein besonderer Höhepunkt der Baugeschichte: die Heizung.
Sie wurde eingebaut. Dann stellte man fest, dass sie den eigenen Umwelt- und Effizienzvorgaben offenbar nicht genügte. Also musste sie wieder raus. Komplett ersetzt. Ein Heizsystem mit kurzer Karriere, aber hoher symbolischer Strahlkraft.
Man muss sich das bildlich vorstellen: Während Handwerksbetriebe im Land jeden Cent umdrehen, um energetische Standards einzuhalten, baut der Bund eine Heizung ein – und wieder aus. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist ein planerischer Offenbarungseid mit Warmwasseranschluss.


Technische Pannen mit System


Neben der Heizung gab es eine undichte Bodenplatte. Probleme mit Brandmelde- und Entrauchungsanlagen. Abnahmen, die nicht funktionierten. Nachbesserungen, die nachgebessert werden mussten.


Zuständig für das Projekt ist das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Kritik kam unter anderem aus der Baukommission des Bundestages. Deren Vorsitzender, Omid Nouripour, bemängelte öffentlich Defizite bei Qualitätssicherung und Projektsteuerung. Auch das Bundesbauministerium geriet in die Kritik – wegen mangelnder Steuerung und Präsenz.
Das alles klingt nicht nach einem singulären Ausrutscher. Es klingt nach strukturellem Organisationsversagen.


Architektur mit Anspruch – Umsetzung mit Ausdauer


Entworfen wurde der Erweiterungsbau von Stephan Braunfels, der das sogenannte „Band des Bundes“ am Spreeufer maßgeblich geprägt hat. Architektonisch ambitioniert, städtebaulich sensibel, technisch anspruchsvoll – keine Frage.


Aber Anspruch ersetzt keine Bauleitung. Und Ästhetik dichtet keine Bodenplatte ab.


Und der BER? Nur noch Zweiter.


Gern wird bei öffentlichen Großprojekten der Vergleich mit dem Flughafen Berlin Brandenburg BER bemüht. Der hatte rund neun Jahre Verzögerung. Beim Lüders-Anbau sind es 13. Das ist keine Randnotiz mehr. Das ist eine Disziplin.


Und während im Bundestag regelmäßig über Haushaltsdisziplin, Schuldenbremse und Effizienz debattiert wird, steht am Spreeufer ein Mahnmal aus Beton, Glas und administrativer Selbstüberschätzung.


Die eigentliche Frage


Das Problem ist nicht nur das Geld. Es ist die Signalwirkung.
Wenn selbst beim Herzstück der Demokratie – dem eigenen Parlamentsviertel – Planung, Controlling und Qualitätssicherung derart entgleiten, wie glaubwürdig sind dann Effizienzappelle an Kommunen, Mittelstand und Bauwirtschaft?


Man kann über Fachkräftemangel reden. Über komplexe Technik. Über steigende Baupreise. Alles valide Punkte.
Aber eine Heizung einbauen und wieder ausbauen? 13 Jahre für einen Anbau? Mehr als doppelte Kosten?
Das ist kein Kollateralschaden. Das ist ein Lehrstück. Und zwar keines, das man im Bauingenieurstudium freiwillig besprechen möchte.


Wenn das Parlament sich ein Denkmal setzen wollte – war es mit dem Anbau auf jeden Fall sehr erfolgreich. Leider nicht im Sinne von Baukultur, sondern als Beispiel dafür, wie aus einem Erweiterungsbau eine Dauerbaustelle wird.


Und die Rechnung? Die liegt wie immer auf dem Tisch. Nur nicht im Plenarsaal.

 

Bild: ©Christoph Soeder, dpa

 

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