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Mehr Geld auf dem Konto – aber wie viel bleibt real davon?

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Dritte Stufe des Bau-Tarifvertrags erreicht die Mai-Abrechnung


Für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe wird der Tarifabschluss vom Juni 2024 jetzt sichtbar: Seit April gilt die dritte und letzte Stufe der vereinbarten Lohnerhöhungen. Auf der Mai-Abrechnung kommt das Plus erstmals vollständig an.


Zum 1. April 2026 wurden die Löhne und Gehälter im Tarifgebiet West pauschal um 3,9 Prozent erhöht. Im Tarifgebiet Ost wurden die Entgelte zugleich vollständig an das Westniveau angeglichen. Damit ist eine Lohnlücke geschlossen, die das Bauhauptgewerbe über Jahrzehnte begleitet hat.


Bauhauptgewerbe: Tarifabschluss vollständig umgesetzt


Mit der April-Anpassung ist der Tarifabschluss aus dem Sommer 2024 abgeschlossen. Die letzte Stufe bringt zwei wesentliche Änderungen: höhere Entgelte im Westen und bundesweit einheitliche Vergütungssätze im Osten und Westen.


In der Lohngruppe 1 liegt der Stundenlohn nun bei 15,86 Euro, in der Lohngruppe 3 bei 18,49 Euro. Auch die Ausbildungsvergütungen steigen: Auszubildende im ersten Lehrjahr erhalten jetzt 1.222 Euro monatlich.


Historische Angleichung zwischen Ost und West


Erstmals gelten damit für die rund 930.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe bundesweit dieselben tariflichen Vergütungssätze. Für Beschäftigte im Tarifgebiet Ost bedeutet die Angleichung ein Plus von rund 5,1 Prozent. Bei den Ausbildungsvergütungen fallen die Steigerungen im Osten teilweise sogar zweistellig aus.


Jutta Beeke, Vizepräsidentin Sozialpolitik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, wertet die Ost-West-Angleichung als wichtigen tarifpolitischen Schritt. Ein besonderes Signal sieht sie bei den Auszubildenden: Die Ausbildungsvergütungen seien historisch besonders weit auseinandergelegen. Mit Steigerungen von bis zu 13,4 Prozent und Vergütungen von mindestens 1.222 Euro im ersten bis 1.610 Euro im dritten Ausbildungsjahr werde die Ausbildung am Bau attraktiver.


Was bleibt von der Erhöhung wirklich übrig?


Auf dem Papier ist das Lohn-Plus deutlich. Im Alltag fällt die Rechnung allerdings nüchterner aus. Denn Bruttoerhöhungen kommen nicht eins zu eins im Portemonnaie an: Steuern und Sozialabgaben reduzieren den Nettobetrag, und die gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten fressen zusätzlich Kaufkraft.
Für April 2026 erwartet das Statistische Bundesamt eine Inflationsrate von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die Verbraucherpreise lagen damit erneut spürbar höher; gegenüber März 2026 stiegen sie voraussichtlich um 0,6 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei 2,3 Prozent. (Statistisches Bundesamt)


Rechnet man die allgemeine Teuerung grob gegen das Tarifplus, bleibt im Westen aus 3,9 Prozent Bruttoerhöhung real nur rund ein Prozent zusätzlicher Kaufkraft übrig – vor Steuern und Abgaben. Im Osten sieht die Rechnung mit rund 5,1 Prozent Tarifplus besser aus; dort bleibt nach Abzug der allgemeinen Preissteigerung rechnerisch ein realer Zuwachs von gut zwei Prozent. Das ist spürbar, aber weit entfernt von „Jetzt wird alles leichter“.


Besonders bei Energie bleibt die Lage angespannt. Die Bundesbank verweist für April 2026 darauf, dass die Teuerung bei Energie erneut deutlich angezogen hat. (Bundesbank) Im März 2026 lagen die Energiepreise bereits 7,2 Prozent über dem Vorjahresmonat; Kraftstoffe verteuerten sich um 20 Prozent, leichtes Heizöl sogar um 44,4 Prozent. (Statistisches Bundesamt) Wer pendelt, mit Öl heizt oder ohnehin hohe Wohn- und Nebenkosten stemmen muss, merkt von der Lohnerhöhung deshalb weniger als die Tarifzahl vermuten lässt.


Kurz gesagt: Die Erhöhung stabilisiert die Einkommen, sie gleicht aber nicht automatisch die Belastungen der vergangenen Jahre aus. Seit 2021 lagen die Jahresinflationsraten in Deutschland bei 3,1 Prozent, 6,9 Prozent, 5,9 Prozent sowie jeweils 2,2 Prozent in den Jahren 2024 und 2025. (Statistisches Bundesamt) Die neue Tarifstufe ist damit wichtig – aber sie repariert nicht im Alleingang den Kaufkraftschaden der Krisenjahre.


Nächste Tarifrunde steht 2027 an


Während die letzte Stufe des aktuellen Tarifabschlusses nun umgesetzt ist, richtet sich der Blick bereits auf die nächste Runde. Die IG BAU bereitet die kommenden Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe vor. Sie sollen voraussichtlich im März 2027 beginnen.


Ein erster Termin fand bereits am 30. Oktober 2025 in Wiesbaden statt. Die Arbeitgeber erschienen dort allerdings ohne Verhandlungsmandat. Für die Beschäftigten dürfte die nächste Tarifrunde vor allem unter einem Punkt stehen: Lohnzuwächse müssen nicht nur gut klingen, sondern im Alltag auch ankommen.


Baunahe Gewerke: Mindestlöhne steigen zum Jahresbeginn


Auch in baunahen Handwerken gab es zum Jahresbeginn Veränderungen. Im Dachdeckerhandwerk liegt der Mindestlohn für ungelernte Kräfte seit Januar 2026 bei 14,96 Euro pro Stunde. Für Fachkräfte bleibt der Mindestlohn im Rahmen des bis 2028 laufenden Tarifvertrags zunächst stabil; die nächste Erhöhungsstufe folgt später.


Im Gerüstbau wurde bereits im November 2025 kräftig nachgelegt. Der Tarifabschluss brachte ein Lohnplus von 7,5 Prozent ab November 2025. Zusätzlich wurde der Branchenmindestlohn zum 1. Januar 2026 angehoben. Er liegt seitdem bei 14,35 Euro pro Stunde.


Baustoffindustrie: Viele Erhöhungen folgen erst im Frühjahr und Sommer


In der Baustoffindustrie greifen Anfang 2026 nur vereinzelt neue Tarifstufen. In vielen Tarifbereichen stehen die nächsten Erhöhungen erst im Frühjahr oder Sommer an.
Im Bereich Steine und Erden Bayern wurde zum 1. März 2026 die nächste Stufe fällig. Löhne und Gehälter steigen dort um 3,3 Prozent. Zuvor hatte seit Juni 2025 bereits ein Plus von 2,45 Prozent gegolten.


In der Beton- und Fertigteilindustrie Mecklenburg-Vorpommern sowie Mitte-Ost bleibt es bis Ende April bei der Stufe aus August 2025. Lediglich das Urlaubsgeld wurde zum 1. Januar 2026 um 150 Euro erhöht.


Auch in der Ziegelindustrie Nord bleibt das Entgeltniveau zunächst unverändert. Die Tarifrunde 2025 wurde vertagt. Das bisherige Arbeitgeberangebot sieht ab 1. März 2026 ein Lohnplus von 1,8 Prozent vor. Ein Abschluss liegt nach Angaben der Gewerkschaft jedoch noch nicht vor.


Ziegelindustrie: unterschiedliche Entwicklung je nach Region


In der Ziegelindustrie entwickeln sich die Entgelte zwischen Januar und April 2026 regional sehr unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen und im südlichen Niedersachsen galten die Tabellenwerte aus dem Jahr 2025 noch bis Ende Januar weiter. Für Januar wurde eine Einmalzahlung von 90 Euro vereinbart, die im Juni ausgezahlt wird. Seit dem 1. Februar 2026 steigen die Ecklöhne um 100 Euro. Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich um 40 Euro je Ausbildungsjahr.


In der Ziegelindustrie Ost gelten höhere Entgelte bereits seit dem 1. Januar 2026. Die Eckentgelte wurden rückwirkend um 2,4 Prozent angehoben, auch die Ausbildungsvergütungen steigen deutlich.


Im Tarifgebiet Südwest lag bis Mitte Februar hingegen noch kein Abschluss vor. Dort blieb es im Zeitraum Januar bis April zunächst bei den bisherigen Entgelten.


Fazit: Tarifplus ja, Entwarnung nein


Die dritte Stufe des Bau-Tarifvertrags bringt den Beschäftigten mehr Geld und beendet im Bauhauptgewerbe die tarifliche Ost-West-Lohnlücke. Das ist ein wichtiger Schritt – politisch, tariflich und symbolisch.


Für die Beschäftigten zählt am Ende jedoch nicht die Prozentzahl in der Pressemitteilung, sondern der Betrag, der nach Abzügen, Miete, Energie, Lebensmitteln und Pendelkosten übrig bleibt. Und genau dort zeigt sich: Die Lohnerhöhung hilft. Aber sie fällt in eine Zeit, in der viele Haushalte längst gelernt haben, dass mehr brutto noch lange nicht mehr Luft bedeutet.


Bild: KI

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