Aktionstag in Naumburg gegen Nachwuchsmangel im Handwerk
Nachwuchsmangel im Handwerk ist ein zunehmendes Problem. Erscheint doch vielen Jugendlichen das Ergreifen eines Handwerksberufes sehr unattraktiv. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Ausbildung in einem Handwerksberuf erfordert oft körperliche Arbeit und wird als anstrengender wahrgenommen als viele Büroberufe. Zudem sind die Verdienstmöglichkeiten in einigen Handwerksberufen im Vergleich zu akademischen Berufen niedriger, was die Attraktivität weiter mindert. Auch die Arbeitsbedingungen, die oft Schichtarbeit und körperliche Belastungen umfassen, können abschreckend wirken. Um dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken und die Attraktivität von Handwerksberufen fühl- und erlebbar zu machen, hat sich die Handwerkskammer Halle/Saale etwas ganz Besonderes ausgedacht: den Aktionstag „Handwerk zum Anfassen“, der in Naumburg stattfand.
Insgesamt 23 Handwerksberufe präsentierten sich dort. Darunter waren Berufe wie Tischler, Bäcker, Steinmetz, Friseur, Zahntechniker und Dachdecker vertreten.
Am Aktionstag „Handwerk zum Anfassen“ konnten 600 Kindergartenkinder und Schüler auf dem Marktplatz in Naumburg verschiedene handwerkliche Tätigkeiten hautnah erleben. Die teilnehmenden Betriebe hatten zahlreiche Aktivitäten vorbereitet, um den jungen Besuchern die Vielfalt und den Spaß am Handwerk näherzubringen und sie für eine mögliche Ausbildung zu begeistern.
Die Veranstaltung wurde von der Handwerkskammer Halle, der Stadt Naumburg, der Wirtschaftsförderung, dem Naumburger Tageblatt und der Stabsstelle Strukturwandel des Burgenlandkreises organisiert. Handwerksbetriebe aus Naumburg und der Umgebung widmeten einen ganzen Tag der Werbung für handwerkliche Karrieren. Auch prominente Gäste wie Landrat Götz Ulrich, Oberbürgermeister Armin Müller, Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze und Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle, unterstützten die Veranstaltung mit ihrer Anwesenheit. Ein Drittklässler erzählte begeistert: „Wir haben Nägel eingeschlagen, den Bagger bedient, und mein Freund ist mit dem Kran hochgefahren. Jetzt möchte ich zum Friseurstand.“ Ältere Schüler hatten bereits konkrete Berufswünsche: Die Achtklässlerinnen Sindy und Valeria könnten sich vorstellen, später als Kosmetikerinnen zu arbeiten. Die jüngsten Besucher konnten einen Handwerkerführerschein erwerben, indem sie verschiedene Aufgaben bewältigten.
Am Stand der Handwerkskammer konnten die Kinder und Jugendlichen selbst aktiv werden: Sie bauten kleine Häuser, drehten Muttern auf Schrauben und schlugen Nägel ein. Mitarbeiter des Projekts „Passgenaue Besetzung“ standen bereit, um Jugendlichen und Eltern Informationen zu erfolgreichen Bewerbungen und Karrierechancen im Handwerk zu geben.
Durch Aktionstage wie diesen, die mit Sicherheit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Images leisten, einer Verbesserung der Ausbildungsbedingungen und einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit Schulen kann das Handwerk wieder attraktiver gemacht werden. Doch auch die Politik, Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt die Handwerksbranche selbst sind gefordert, um diesen Trend umzukehren und sicherzustellen, dass auch in Zukunft genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Bild: Ein Markt voll Handwerk. In Naumburg präsentierten sich zahlreiche Betriebe und gaben Kindern und Jugendlichen einen Einblick in ihren Arbeitsalltag. ©HWK Halle/ Yvonne Bachmann
Redaktion
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