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Recycling vor Abriss - Neues Modell soll Schule machen

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Der Bausektor als einer der zentralen Wirtschaftsbereiche der Bundesrepublik trägt in vielerlei Hinsicht eine besondere Verantwortung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Er bietet Arbeitsstellen für rund drei Millionen Beschäftigte und ist für mehr als sechs Prozent der Wertschöpfung des hiesigen Bruttoinlandsproduktes verantwortlich. Gleichzeitig ist er jedoch aufgrund seines massiven Ressourcenbedarfes einer der Haupttreiber des weltweiten Klimawandels. In Anbetracht der, von der Bundesregierung ausgerufenen Klimaziele, muss in der Branche schnellstmöglich ein Umdenken stattfinden. In diesem Zusammenhang fällt häufig das Stichwort zirkuläres Bauen. Ein Projekt aus Augsburg zeigt, wie diese Form des Recyclings in Zukunft aussehen könnte.


Katalogisierung des Bestandes


Wochenlang durchkämmten Studierende der Hochschule Augsburg, ausgestattet mit Metermaß und Kamera, in akribischer Kleinstarbeit eine alte Stadtbibliothek in der Augsburger Innenstadt, um Kleinteile und andere Komponenten zu katalogisieren. Im kommenden Jahr soll der Fünfziger-Jahre-Bau abgerissen werden – jedoch unter der Prämisse der kleinstmöglichen Ressourcenverschwendung.


Erfolgsversprechendes Projekt


Denn die von den Studierenden katalogisierten Komponenten wurden abfotografiert und stehen auf der Online-Plattform „Concular“ zum Verkauf. Dort wird alles ausgelistet von der einfachen Tür, über Fahrradständer bis hin zu Fassadenornamenten. Und das Projekt zeigt Erfolg, rund 70 Prozent der angebotenen Einzelteile wurden bereits verkauft.


Erfolgreiches Pilotprojekt


Nun ist es nicht weiter unüblich, dass gebrauchte Bauteile weiterverkauft werden. Weniger üblich ist es jedoch dies in solch einem großangelegten Stil zu tun, wie es in Augsburg der Fall war. Hinzukommt, dass Träger des öffentlichen Dienstes keine Verluste machen dürfen, weshalb Kathrin Fändrich, Leiterin im Bereich Hochbau des Bauamtes Augsburg, dass Projekt als Wagnis einstufte. Fändrich zeigte sich jedoch mittlerweile begeistert vom Erfolg des 2021 angelaufenen Pilotprojektes. Für sie ist diese Form der Energieeinsparung der effizienteste Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft. Denn, Energie die gar nicht erst produziert werden muss, ist die beste Energieeinsparung, so Fändrich.


Zukunft ungewiss


Ob das Projekt in seiner derzeitigen Form weiter ausgebaut wird, ist allerdings zum momentanen Zeitpunkt noch unklar, da es beim zirkulären Bauen häufig an Netzwerken und Logistik hapert. Das richtige Zeitmanagement ist ein weiterer kritischer Faktor. Denn wenn es zum Abriss eines Gebäudes kommt, müssen die zum Verkauf stehenden Komponenten schnellstmöglich abgeholt und eingelagert werden. Die dafür notwendigen Infrastrukturen sind jedoch häufig nicht gegeben. Sollten jedoch in Anbetracht der tausenden von Gebäuden, die in den nächsten Jahren in Deutschland abgerissen werden, schnellstmöglich geschaffen werden.

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