Baugewerbe-Online auf X Baugewerbe-Online auf Facebook
Werben auf Baugewerbe-Online
Hier werben
Login
Login
hier
 

Anzeige

ATLAS im Krisenmodus: Traditions-Baggerbauer beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung

Der schwarze Schriftzug ist auf Baustellen seit über 100 Jahren präsent. Doch jetzt steckt der Hersteller selbst im Morast: Die Atlas GmbH hat beim Amtsgericht Delmenhorst Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Grund ist eine seit Längerem anhaltende Marktschwäche in der Bau- und Baumaschinenbranche – mit spürbar rückläufigen Auftragseingängen und sinkender Auslastung.

 

?Eigenverwaltung statt Stillstand

 

Das Gericht ordnete eine vorläufige Eigenverwaltung an. Heißt: Die sieben Geschäftsführer um CEO Brahim Stitou bleiben im Amt und steuern die Restrukturierung selbst. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter – Hendrik Gittermann von der Kanzlei Reimer – überwacht das Verfahren.

 

Unterstützt wird das Unternehmen von den Sanierungsexperten Malte Köster und Hans-Joachim Berner (Kanzlei Köster & Berner) als Generalbevollmächtigte. Nach erster Prüfung bescheinigte das Gericht dem 1919 gegründeten Unternehmen „gute Sanierungsaussichten“.

 

Wichtig für Kunden und Partner: Der Geschäftsbetrieb läuft weiter. Produktion, Ersatzteilservice und Kundendienst sollen planmäßig fortgeführt werden. Die Löhne der rund 400 Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich April 2026 gesichert.

 

?Wer betroffen ist – und wer nicht

 

Betroffen ist die Baggersparte, also die Atlas GmbH selbst, nicht jedoch die eigenständige Atlas Weyhausen GmbH mit ihrer Radladersparte. Zusätzlich stellten auch mehrere Tochtergesellschaften Anträge auf Eigenverwaltung, darunter:

 

  • Atlas Spare Parts GmbH
  • Atlas FF GmbH & Co. KG
  • Atlas Group Services GmbH
  • Atlas Kompakt GmbH

 

Die Gruppe betreibt Standorte in Ganderkesee, Delmenhorst, Vechta sowie in Bradford (England). Zuletzt lag der Jahresumsatz bei rund 150 Millionen Euro.

 

?Marktschwäche als strukturelles Problem

 

Die Ursachen sind kein Einzelfall. Seit Monaten schwächelt die Baukonjunktur. Investitionen werden verschoben, Projekte verzögern sich, Finanzierungen werden restriktiver gehandhabt. Für Maschinenhersteller bedeutet das: weniger Neubestellungen, mehr Zurückhaltung bei Großinvestitionen.

 

Atlas hatte bereits vor dem Insolvenzantrag Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Diese reichten jedoch nicht aus, um die Liquiditätsengpässe nachhaltig zu beheben. Nun soll das strukturierte Eigenverwaltungsverfahren den Turnaround ermöglichen.

 

Parallel startet ein internationaler Investorenprozess. Ziel ist es, frisches Kapital einzuwerben und strategische Optionen auszuloten.

 

?Zwischen Image und Realität

 

Vor zwölf Jahren sprach das Management vom „Mercedes unter den Baumaschinen“. Die Marke gilt in der Branche als etabliert, die Produktqualität als anerkannt. Doch starke Marke allein zahlt keine Rechnungen – insbesondere nicht in einem Markt, der aktuell von Zurückhaltung und Preisdruck geprägt ist.

 

Ob Atlas den Weg aus der Krise findet, hängt nun von mehreren Faktoren ab: Geschwindigkeit des Investorenprozesses, Stabilität des laufenden Geschäfts und Entwicklung der Baukonjunktur im weiteren Jahresverlauf.

 

Fest steht: Der Fall ist kein isoliertes Betriebsunfall-Szenario, sondern Symptom einer Branche, die unter Druck steht. Wer heute Baumaschinen baut, braucht nicht nur solide Technik, sondern auch ausreichend Kapitalpuffer – und die Fähigkeit, konjunkturelle Dellen zu überstehen.

 

Atlas will sich aus der Krise graben. Ob der Boden tragfähig ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

 

Bild: ©ATLAS

E-Mail  
facebook  
twitter  
whatsapp  
Aktuelle Beiträge aus der Redaktion
Auslandsbau - Chance und Risiko zugleich
Nicht nur die ganz Großen der deutschen Bauindustrie profitieren von Aufträgen aus dem Ausland ...
Seriielles Sanieren mit vorfabrizierten Fassadenelementen
Prefab-Trend: Serielles Sanieren im Bestandsbau
Die neuen Zauberwörter der Baubranche heißen: Energiesprong und Prefab. Worum geht es? Die...
Stararchitekt Helmut Jahn stirbt bei Fahrradunfall
Frankfurter Messeturm und das Berliner Sony Center haben eines gemeinsam: Helmut Jahn war...
Tiefbau überrascht
Tiefbau ist eine komplexe Herausforderung an die beteiligten Ingenieure und Arbeiter. Entsprechende Kenntnisse der Bode...
News: Produkte, Maschinen u.v.m.
13 Jahre, doppelte Kosten – und ein He...
Es gibt Bauprojekte, die sind teuer. Es gibt Bauprojekte, die dauern lange. Und dann gibt es den...
Sicher arbeiten in luftiger Höhe: BG BA...
Arbeiten auf Dächern, Gerüsten und erhöhten Ebenen gehören im Bauhandwerk zum Alltag – und...
Hyundai zündet 2026 die nächste Stufe ...
Hyundai Construction Equipment geht 2026 in die Offensive. Mit einer deutlich erweiterten Produk...
Elbtower: Prestige trifft Pleite
Hamburg wollte hoch hinaus. Sehr hoch. 245 Meter Selbstbewusstsein aus Glas und Beton, entworfen von David ...
Statistik
Gezählt seit: 29.09.2010

Seitenaufrufe:
94.217.475
Besucher:
14.345.551
 
Aufrufe heute:
9.481
Besucher heute:
6.462
Mitglieder:
1.759
Umfrage
Welche Maßnahme würde den Baustellenablauf aktuell am stärksten stabilisieren?
Verlässlichere Materiallieferungen und bessere Abstimmung mit Lieferanten
Frühzeitigere und eindeutigere Ausführungs- und Detailplanung
Realistischere Zeitpläne und Puffer bei der Bauablaufplanung
Bessere Koordination zwischen den einzelnen Gewerken
 

Kommentare 0 Kommentare 2 abgegebene Stimmen

Anzeige
Baugewerbe Online
Das Branchenportal für das deutsche Baugewerbe. Informativ, innovativ, zielgruppenorientiert! Bei uns werden Sie gefunden und Sie finden alles rund um den Bau! Bauherren finden kompetente Bauunternehmen, Bauhandwerker oder Architekten. Alle beteiligten der Baubranche finden günstige Zulieferer für Baumaterial, Baugeräte und Maschinen, einen großen Anzeigen- und  Jobmarkt, wichtige Termine, aktuelle News aus der Bauwirtschaft und noch vieles mehr!
Sonstiges
Werbung
Musterverträge und Vorlagen
Hilfe
Kontakt
Rechtliches
AGB
Impressum
Datenschutz

Melden sie sich zum Newsletter an...
© Schwarzmeier Mediengesellschaft