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Triales Studium im Handwerk: anstrengend, aber lohnenswert

Die klassische duale Ausbildung in Deutschland hat einen sehr guten Ruf und gilt auch international als Goldstandard. Der Mix aus praktischem Arbeiten im Betrieb und theoretisch-praktischem Lernen in der Berufsschule sichert auch gerade im Handwerk die hohe Qualität. Wer mehr will, als „nur“ eine klassische Lehre zu absolvieren, dem steht auch noch das duale Studium offen, das einen stärkeren theoretischen Schwerpunkt setzt und insbesondere die kaufmännische Komponente im Studium vertieft. Neuerdings kann man aber sogar eine triale Ausbildung machen. Hier wird neben Praxis im Betrieb und Theorie an der Uni auch noch ein Meistertitel draufgesattelt. Am Ende einer trialen Ausbildung hat man also einen anerkannten Lehrberuf abgeschlossen, einen Bachelortitel an der Uni erworben und den Meisterbrief inklusive Ausbildereignungsschein für den gewählten Handwerksberuf in der Tasche.

 

Soviel Titel und Wissen lassen sich in etwa viereinhalb bis fünf Jahren anhäufen. Wer die ganzen Stationen dieser Dreier-Kombi nacheinander durchlaufen würde, bräuchte dafür satte neun Jahre! Mit der trialen Ausbildung legt man also den Turbo ein und ein eiserner Durchhaltewille ist dabei auch unabdingbar, denn die Sechs-Tage-Woche ist hier Normalität. Auch Selbständigkeit und Eigenmotivation sind in hohem Maße gefragt, weil die Studienabschnitte teils als Fernstudium konzipiert sind, der Student also online oder anhand von zugeschicktem Lernmaterial zuhause lernt. Im ersten Ausbildungs-/Studienabschnitt, der zum Gesellenbrief führt, verbringt man im Durchschnitt etwa drei Tage im Lehrbetrieb, zwei am Berufskolleg und nimmt freitagsabends und samstags an Vorlesungen teil. Nach der Gesellenprüfung laufen entweder die praktische Ausbildung im Betrieb oder die Meisterschule parallel zum Studium, das weiterhin freitags und samstags zu absolvieren ist.

 

Eine triale Ausbildung bzw. ein triales Studium wird bisher nur von wenigen Fachhochschulen angeboten, nämlich von den Fachhochschulen des Mittelstandes mit den Standorten Hannover, Schwerin und Köln sowie der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Es fallen Studiengebühren von etwa 400,- € im Monat an, denen stehen allerdings auch ein Ausbildungs- bzw. später ein Gesellengehalt gegenüber, auch wenn das zunächst nicht reichen wird, Kosten und Lebensunterhalt zu decken.

 

Die Bedingungen rund um ein triales Studium sind also beileibe nicht einfach, die Aussichten nach sicherlich entbehrungsreichen Jahren dafür aber glänzend. Wer durchhält hat quasi eine Jobgarantie, denn kleine und mittelständische Betriebe benötigen dringend Führungskräfte, die sowohl handwerklich als auch betriebswissenschaftlich versiert sind. Zudem kann man mit einer solchen Ausbildung auch einen Grundsetin für eine spätere Selbständigkeit legen, da man alle Aspekte eines erfolgreich geführten Handwerksbetriebs kennengelernt hat.

 

Nähere Auskünfte erteilt die Handwerkskammer Köln auf ihrer Website zum trialen Studium.



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